Landtagswahl 2006

In einer Demokratie wählen die Bürgerinnen und Bürger diejenigen Parteien oder Politiker ins Parlament, die ihrer Ansicht nach ihre Interessen am Besten vertreten.  

Am 26. März 2006 haben die Wahlberechtigten von Baden-Württemberg entschieden. Sie stimmten ab, ob sie sich von ihren Repräsentanten - der Regierung, ihrem eigenen Wahlkreisabgeordneten - in den letzten fünf Jahren gut vertreten gefühlt haben oder nicht. Ob sie zufrieden waren mit der geleisteten Arbeit oder nicht. Doch sehen Sie selbst ...

Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl am 26.03.2006

Sonstige
Landtagswahl 200644,225,210,711,78,2
Landtagswahl 200144,833,38,17,76,1

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    In Baden-Württemberg wurden 2006 in insgesamt 70 Wahlkreisen die Mitglieder des neuen Landtags gewählt. Rund 7,6 Millionen Wahlberechtigte waren aufgerufen, ihr Wahlrecht wahrzunehmen. Wahlberechtigt waren alle volljährigen deutschen Staatsbürger, die zum Zeitpunkt der Wahl seit mindestens drei Monaten in Baden-Württemberg wohnhaft gewesen waren. Jeder Wahlberechtigte hatte genau eine Stimme und wählte damit in seinem Wahlkreis einen Kandidaten.

    Bei der letzten Landtagswahl haben deutlich weniger Menschen ihre Stimme abgegeben als fünf Jahre zuvor. Nach Angaben der Landeswahlleitung wählten nur noch 53,4 Prozent der Wahlberechtigten (2001 62,6 Prozent), das waren 9,2 Prozentpunkte weniger als 2001. Lediglich 33 Prozent der unter 30-jährigen baden-württembergischen Wahlberechtigten machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch, während von den 60-Jährigen und Älteren immerhin gut 60 Prozent ihre Stimme abgaben. Vor allem in den Großstädten ist die Wahlbeteiligung zurückgegangen. Grund war u.a. der müde Wahlkampf, dem die mobilisierenden und polarisierenden Themen fehlten. Es ging hauptsächlich "nur" um Landespolitik und nicht um einen Stimmungstest für das ganze Land. Der Dauerwahlkampf seit Anfang 2005, von Schleswig-Holstein über Nordrhein-Westfalen bis zur Bundestagswahl im September, hat die Menschen erschöpft. Die Mehrheit der Bevölkerung war mit der Großen Koalition in Berlin zufrieden - so gab es in Baden-Württemberg keine Wechselstimmung.

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    oettinger und vogt

    Günther Oettinger konnte bei seiner ersten Wahl als Ministerpräsident mit der CDU gegenüber 2001 das Ergebnis nahezu halten, verfehlte aber knapp die absolute Mehrheit um ein Mandat. Bis auf den Wahlkreis Mannheim 1 konnte die CDU alle Direktmandate erringen. Mit Begeisterung hat die baden-württembergische CDU auf das Wahlergebnis reagiert. "Wir haben heute von den Wählern unseren Lohn erhalten, wir nehmen dankbar unseren klaren Auftrag an", so der alte und auch neue Ministerpräsident Günther Oettinger in einer ersten Stellungnahme. "Das Votum der Wähler ist mir noch wichtiger als die Ergebnisse in der Mitgliederabstimmung oder bei meiner Wahl im Landtag", sagte Oettinger. Das Vertrauen von 44,2 Prozent der Bürgerinnen und Bürger sei ein "tolles Fundament" für seine künftige Arbeit und die seiner Regierung. Oettinger erzielte ein Ergebnis, das über den Erwartungen lag. Er wurde damit erstmals direkt vom Volk gewählt.
    Die SPD war die große Verliererin der Wahl. Gegenüber 2001 verloren die Sozialdemokraten über acht Prozent der Stimmen. Grund war vor allem die niedrige Wahlbeteiligung, die bei der SPD besonders durchschlug. Insgesamt verlor die SPD über 500.000 Stimmen im Vergleich zu 2001. Das Ergebnis lässt sich deshalb nur so interpretieren: Die CDU konnte ihre Wähler besser mobilisieren, obwohl auch sie im Vergleich zu 2001 Stimmen verlor. Die Sozialdemokraten - ohnehin strukturell schwach im Südwesten - verfehlten so ihr Wahlziel. Es war für die SPD schwer, Felder zu finden, in denen der Südwesten im Ländervergleich nicht vorne lag. Übereinstimmend bezeichneten SPD-Spitzenkandidatin Ute Vogt und Fraktionschef Wolfgang Drexler das SPD-Ergebnis als "schmerzliche Niederlage". Trotz der herben Niederlage sprach sich das Präsidium der SPD mit sechs zu zwei Stimmen für Ute Vogt als Vorsitzende der Landtagsfraktion aus. Drexler kandidierte nicht mehr für das Amt des Fraktionschefs.

    goll und kretschmann

    Weitaus besser als den großen Parteien gelang es den kleinen Parteien, ihre Wähler zu mobilisieren. Die FDP konnte 2006 um über zwei Prozent zulegen. Damit erzielte sie ihr bestes Ergebnis seit 1968. So freute sich der FDP-Spitzenkandidat Ulrich Goll über das gute Ergebnis: "Das war wirklich eine schöne Gemeinschaftsleistung. Es ist uns gelungen, liberale Ideen zu den Menschen zu bringen".
    Die Grünen konnten ihr Ziel, drittstärkste Fraktion im Landtag zu werden, erreichen. "Ehrliche Arbeit zahlt sich aus," fasste der Grünen-Spitzenkandidat Winfried Kretschmann das Wahlergebnis zusammen.

    WASG und REP scheiterten deutlich an der Fünf-Prozent Hürde. Sie waren in Baden-Württemberg nur eine Randerscheinung

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    Endgültiges Ergebnis der Landtagswahl am 26.03.2006

    Gewinne und Verluste

    Dem 14. Landtag von Baden-Württemberg gehören insgesamt 139 Abgeordnete an, 11 Abgeordnete mehr als 2001, damals waren 128 Abgeordnete in den Landtag eingezogen.

    CDU: 69 ( + 6 Sitze), SPD 38 (-7), FDP 15 (+5), Grüne 17 Sitze (+7)

    sitzverteilung

    Stimmenverteilung

    wahlberechtigte

    Noch nie machten bei einer baden-württembergischen Landtagswahl so wenig Menschen von Ihrem Wahlrecht Gebrauch wie bei der Landtagswahl 2006. Von 7.519.048 Wahlberechtigten stimmten nur 4.012.634 ab. Dramatisch war die Wahlbeteiligung bei den unter 30-Jährigen. Nur noch 33 Prozent der Wahlberechtigten dieser Altersgruppe machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Dagegen gingen 60 Prozent der über 60-Jährigen zur Wahlurne.
    Die CDU hat mit 4.012.634 Stimmen zwar 44,2 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht, im Vergleich zu 2001 aber aufgrund der niedrigen Wahlbeteiligung 281.000 Stimmen verloren. Noch gravierender ist der Verlust der SPD: Im Vergleich zu 2001 verlieren die Sozialdemokraten 512.000 Stimmen. Die FDP konnte 54.000 Stimmen hinzugewinnen, die Grünen gewannen sogar 112.000 neue Stimmen.

    Bei der Landtagswahl wuchs der Vorsprung der CDU vor den Sozialdemokraten auf landesweit knapp 753.000 Stimmen, gut 231.000 mehr als bei der letzten Landtagswahl. Die CDU war auch bei dieser Wahl wieder in ländlichen Gebieten besonders erfolgreich. So lag die CDU in eher ländlich geprägten Landtagswahlkreisen mit 50,6 Prozent über ihrem Landeswert.
    Die SPD verlor zwar in allen Wahlkreisen, erzielte ihre vergleichsweise besten Ergebnisse aber erneut in den eher urban geprägten Wahlkreisen mit einer hohen Bevölkerungsdichte (28,6 Prozent), während sie in ländlich geprägten Gebieten unterdurchschnittlich abschnitt.
    Die FDP erzielte in protestantisch geprägten Gebieten mit 12,4 Prozent einen überdurchschnittlich hohen Stimmenanteil. Sie konnte sich in 65 Wahlkreisen verbessern.
    Die Grünen legten in allen 70 Wahlkreisen zu und schnitten in Wahlkreisen mit hohem Akademikeranteil, insbesondere in Universitätsstädten, mit 18,6 Prozent überdurchschnittlich gut ab. Auch in den Wahlkreisen mit einem hohen Anteil Beschäftigter im Dienstleistungsgewerbe erzielten die Grünen mit 17,6 Prozent ein überdurchschnittliches Ergebnis.

    Unter den 139 Abgeordneten im 14. baden-württembergischen Landtag sind  nur 33 Frauen. Damit ist der Frauenanteil im  Landtag von Baden-Württemberg gegenüber der vorherigen Legislaturperiode zwar von 21,8 auf 23,7 Prozent gestiegen, dennoch sind weibliche Abgeordnete im Landtag nach wie vor stark unterrepräsentiert.


    plenum
    Foto: Landesmedienzentrum Baden-Württemberg

     

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