Wahlumfragen und Progonosen

Medien berichten in Deutschland immer häufiger über Wahlumfragen. Journalisten sehen deren Vorteile, befürchten aber auch negative Konsequenzen für das Wählerverhalten. Während der Großteil der Wähler sich nicht von Wahlumfragen beeinflussen lässt, werden diese hingegen von der Minderheit, der so genannten "Taktischen Wähler", durchaus genutzt. Dies ist vor allem für die kleinen Parteien von Bedeutung.

Zwischen 1980 und 1998 hatte sich die Berichterstattung über Wahlumfragen verfünffacht. Vor der Bundestagswahl 2009 wird so häufig über Wahlumfragen berichtet wie nie zuvor. Wahlumfragen gehören inzwischen zum Standardrepertoire der Medienberichterstattung über Wahlen. Sie haben einen hohen Nachrichtenwert - nämlich bereits vor der Wahl abschätzen zu können, wer die Wahl gewinnen wird. Im Mittelpunkt der Berichterstattung stehen die "Sonntagsfrage" und die Kandidatenbeurteilungen. Mit der zunehmenden Berichterstattung über Wahlumfragen wächst auch der Anteil der Bevölkerung, der Umfrageergebnisse vor Wahlen wahrnimmt. Zwischen 1957 und 1983 hatte sich dieser Anteil mehr als vervierfacht: von 17 auf 72 Prozent. Seitdem liegt er konstant bei etwa 70 Prozent.

Das Problem von Wahlumfragen ist jene Exaktheit, die der Bevölkerung in den Medienveröffentlichungen vorgegauckelt wird. Schon aus mathematisch-statistischen Gründen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Bei Wahlumfragen werden in der Regel zwischen 1.000 und 2.000 Personen interviewt (z.B. telefonisch oder "face-to-face"). Wird dabei das Ergebnis für eine der beiden großen Parteien genannt, kann der Wert allerdings um bis zu plus/minus drei Prozent abweichen, bei den kleinen Parteien um zwei Prozent. Ehrlicherweise müssten die Umfragewerte also immer mit diesen Schwankungen veröffentlicht werden. Exakt getroffen hat die "Sonntagsfrage" das jeweilige Wahlergebnis jedenfalls noch nie.

  • www.wahlprognosen-info.de
    Der Informationswert von Wahlprognosen und Trendaussagen im Vorfeld einer Wahl wird kritisch hinterfragt.

Politiker versuchen, Umfrageergebnisse zu ihren Gunsten zu instrumentalisieren: Sie verweisen zunehmend auf Umfragen, wenn sie für sie günstig erscheinen. Sie verdammen Umfragen, wenn sie für sie ungünstig erscheinen.

Nach den Bundestagswahlen 1983, 1987 und 1994 gaben ein Viertel bis ein Drittel derjenigen Wähler, die Wahlumfragen wahrgenommen hatten, an, diese hätten für ihre Stimmabgabe eine Rolle gespielt.  Nach der Bundestagswahl 1990 sagten 14 Prozent der Wähler, die Umfrageergebnisse wahrgenommen hatten, sie seien durch diese beeinflusst worden. Die Wirkungen ergeben sich aus dem Verhältniswahlrecht und der Fünf-Prozent-Klausel und betreffen eher die Wähler der kleinen Parteien sowie einige Wähler ihrer potentiellen Koalitionspartner.

Wegen ihres vermuteten Einflusses auf den Wahlausgang ist in verschiedenen europäischen Ländern (Frankreich, Portugal, Spanien, Ungarn) die Veröffentlichung von Umfrageergebnissen ein bis zwei Wochen vor der Wahl untersagt. In Deutschland existiert kein solches Verbot, da es mit der im Grundgesetz garantierten Informations- und Pressefreiheit nicht vereinbar wäre.

Wie es dieses Mal sein wird, wird der Wahlabend zeigen. Um Punkt 18 Uhr werden die ersten Prognosen über den Bildschirm flimmern - sie unterscheiden sich von allen bisherigen Umfragen qualitativ und quantitativ.

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