Die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien für die Bundestagswahl 2009
Zwei Großkoalitionäre kämpfen ums Kanzleramt
Bei Bundestagswahlen geht es nicht nur um Programme und Leistungsbilanzen, sondern immer auch um die Entscheidung darüber, wer in das Kanzleramt einziehen soll. Bundestagswahlen sind zu einem großen Teil auch Kanzlerwahlen.
Nachdem Angela Merkel (CDU) im September 2005 zur ersten Bundeskanzlerin in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gewählt wurde, steht die Unionspolitikerin für den Bundestagswahlkampf 2009 erneut an der Spitze ihrer Partei. Im Superwahljahr 2009 konkurrieren somit Kanzlerin und Vizekanzler um den Einzug ins Bundeskanzleramt: Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier.

- Angela Merkel. Foto: CDU Deutschlands/ Laurence Chaperon.
Die politische Karriere von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel begann im 1989 gegründeten "Demokratischen Aufbruch", eine der DDR-Parteien in der Wendezeit. Die Diplom-Physikerin fungierte in der letzten DDR-Regierung unter Lothar de Maiziere (CDU) als Sprecherin.
1990 trat Merkel der CDU bei, seit Dezember 1990 gehört sie dem Deutschen Bundestag an. Unter Helmut Kohl wurde sie von 1991 - 1994 Frauen- und Jugendministerin, von 1994 - 1998 Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. 1998, nach der Abwahl Kohls, wurde sie Generalsekretärin der Union. Seit April 2000 und dem Ende der Parteispendenaffäre ist Merkel Vorsitzende der CDU, seit 2005 Bundeskanzlerin.
Die Delegierten wählten Angela Merkel auf einem Parteitag in Sternberg am 09. Mai 2009 bei nur einer Gegenstimme auf Platz eins der Landesliste.
Angela Merkel im Internet:
angela-merkel.de
Angela Merkel bei facebook
Angela Merkel bei meinvz
spiegelonline: Angela Merkel

- Frank-Walter Steinmeier. Foto: SPD-Fraktion, photothek.net/ Thomas Köhler
Der Bundesminister des Auswärtigen und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier war von 1999 bis 2005 Chef des Bundeskanzleramtes unter Gerhard Schröder. Schröder, der ihn im November 1998 zunächst zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt und Beauftragten für die Nachrichtendienste ernannte, gilt auch heute noch als enger Vertrauter Steinmeiers.
Nach dem Rücktritt von Kanzleramtsminister Bodo Hombach wurde Steinmeier, der als Vertreter des konservativeren Seeheimer Kreises gilt, am 7. Juli 1999 zum Chef des Bundeskanzleramtes ernannt.
Am 22. November 2005 übernahm Steinmeier das Amt des Bundesaußenministers in der von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführten Bundesregierung. Im ersten Halbjahr 2007 bekleidete Steinmeier zudem das Amt des Präsidenten im Rat der Europäischen Union. Noch im selben Jahr wurde Steinmeier Nachfolger des zurückgetretenen Vizekanzlers Franz Müntefering.
Am 09. Mai 2009 wählten die Delegierten Steinmeier auf dem Parteitag der brandenburgischen SPD in Potsdam mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl im September.
Frank-Walter Steinmeier im Internet:
frankwaltersteinmeier.de
Frank-Walter Steinmeier bei facebook
Frank-Walter Steinmeier bei studivz
spiegelonline: Frank-Walter Steinmeier
| Das TV-Duell: Angela Merkel vs. Frank Walter Steinmeier |

- Guido Westerwelle. Foto: FDP
Die politische Karriere des 1961 in Bad Honnef geborenen Rechtsanwalts Guido Westerwelle begann 1980 mit dem Eintritt in die FDP. Kurze Zeit später wurde er Gründungsmitglied der Jungen Liberalen und war von 1983 bis 1988 deren Bundesvorsitzender. In diesem Jahr wechselte Westerwelle in den Bundesvorstand der FDP, 1994 ernannten ihn die Liberalen zu ihrem Generalsekretär.
An die Spitze seiner Partei rückte Westerwelle dann - nach einem kurzen Machtkampf mit Wolfgang Gerhardt - im Mai 2001, als ihn der Parteitag in Düsseldorf mit fast 90 Prozent zum Vorsitzenden wählte. Seinen Führungsanspruch untermauerte er damals mit den Worten: "Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, ist einer, der die Sache regelt. Und das bin ich!"
Bei den 15. Bundestagswahlen im Jahr 2002 kürten die Liberalen Westerwelle zum ersten Kanzlerkandidaten in der Geschichte der Partei. Nachdem der FDP-Chef als einziger Spitzenpolitiker für den Fall eines Regierungswechsels in Nordrhein-Westfalen vorgezogene Neuwahlen gefordert hatte, nominierte ihn die FDP am 23. Mai 2005 erneut zu ihrem Spitzenkandidaten.
Guido Westerwelle wurde am 09. November 2008 auf dem Landesparteitag der nordrhein-westfälischen FDP zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009 gewählt.
Guido Westerwelle im Internet:
guido-westerwelle.de
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spiegelonline: Guido Westerwelle

- Renate Künast, Jürgen Trittin. Fotos: Bündnis 90/Die Grünen.
Renate Künast trat 1979 in die Berliner Alternative Liste ein, die sich später der Bundesorganisation der Grünen anschloss.
Von 1985 bis 1987 und von 1989 bis 2000 gehörte Künast dem Berliner Landesparlament an. Hier war sie von 1989 bis 1993 und erneut von 1998 bis 2000 Fraktionsvorsitzende ihrer Partei. Von Juni 2000 bis März 2001 bekleidete sie zusammen mit Fritz Kuhn den Bundesvorsitz von Bündnis 90/Die Grünen.
Seit der Bundestagswahl 2002 ist Renate Künast Mitglied des Deutschen Bundestages und dort seit dem 18. Oktober 2005 zusammen mit Fritz Kuhn Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen. In ihrem Wahlkreis Berlin Tempelhof-Schöneberg erreichte Künast bei der Bundestagswahl 2005 21,0 % der Erststimmen.
Renate Künast im Internet:
renate-kuenast.de
Renate Künast bei facebook
Reanate Künast bei meinvz
spiegelonline: Renate Künast
Jürgen Trittin ist seit 1980 Mitglied bei den Grünen. Von 1994 bis 1998 war er Sprecher des Bundesvorstandes von Bündnis 90/Die Grünen. Er gehört dem Parteirat der Grünen an.
Von 1990 bis 1994 war er als Minister im Kabinett des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder für die Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Niedersachsen verantwortlich. Im Oktober 1998 wurde Trittin von Bundeskanzler Gerhard Schröder als Minister in das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit berufen. In dieser Position handelte er den so genannten Atomausstieg aus.
Im Anschluss an die Wahl von Landwirtschaftsministerin Renate Künast zur Vorsitzenden der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, übernahm Trittin am 4. Oktober 2005 kommissarisch die Geschäfte des Verbraucherschutzressorts.
Die Bundesdelegiertenversammlung der Grünen hat Fraktionschefin Renate Künast und Fraktionsvize Jürgen Trittin auf einem Parteitag in Erfurt als Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2009 nominiert. Mit einer Zustimmung von 92 Prozent bestätigten die Delegierten damit das vorherige Votum der Parteigremien.
Jürgen Trittin im Internet:
juergentrittin.de
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Spiegelonline: Jürgen Trittin

- Oskar Lafontaine. Foto: Deutscher Bundestag/DIG/ Trilon, Dr. Gregor Gysi. Foto: Deutscher Bundestag/ Elke Schwalbach
1966 trat Oskar Lafontaine in die SPD ein, zwei Jahre danach wurde er in den Landesvorstand der SPD im Saarland gewählt. Nach seiner im Jahr 1974 begonnenen Tätigkeit als Bürger- und Oberbürgermeister der Stadt Saarbrücken, übernahm er von 1985 bis zum Oktober 1998 das Amt des Ministerpräsidenten im Saarland.
Nach seinem Wahlsieg bei der Landtagswahl im Saarland 1990 wurde er von der SPD als Kanzlerkandidat und Herausforderer von Helmut Kohl für die Bundestagswahl 1990 nominiert. In einer Kampfkandidatur gegen den bisherigen Amtsinhaber Rudolf Scharping wurde Lafontaine 1995 zum Bundesvorsitzenden der SPD gewählt, der er bis 1999 blieb. Nach dem Sieg der SPD bei der Bundestagswahl 1998 trat Lafontaine am 27. Oktober 1998 als Bundesminister der Finanzen in das erste Kabinett Gerhard Schröders ein.
Am 11. März 1999 erklärte Oskar Lafontaine seinen Rücktritt vom Amt des Vorsitzenden der SPD und legte gleichzeitig neben dem Amt des Bundesfinanzministers auch sein Bundestagsmandat nieder.
Nachdem Lafontaine über die Medien am 24. Mai 2005 seinen Austritt aus der SPD ankündigte, signalisierte er noch am selben Tag seine Bereitschaft, bei der vorgezogenen Bundestagswahl ein Linksbündnis zu unterstützen.
Am 18. Juni 2005 trat Lafontaine, gemeinsam mit seiner Ehefrau, der WASG bei und wurde noch am selben Tag auf dem WASG-Landesparteitag in Köln für die vorgezogenen Bundestagswahlen im Herbst 2005 auf Listenplatz 1 gewählt.
Bei seiner Wahl auf Platz eins der saarländischen Landesliste konnte der Bundesvorsitzende Oskar Lafontaine auf dem Parteitag am 18. April 2009 in Saarbrücken 93 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen.
Oskar Lafontaine im Internet:
Oskar Lafontaine
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spiegelonline: Oskar Lafontaine
Dr. Gregor Gysi war in der DDR-Volkskammer kurzzeitig Fraktionsvorsitzender der PDS. Bei den ersten gesamtdeutschen Wahlen im Dezember 1990 eroberte der Rechtsanwalt in Berlin das einzige Direktmandat für die sozialistische Partei. Elf Jahre lang blieb Gysi Mitglied des Bundestags. Nach parteiinternen Richtungsstreitigkeiten zog er sich aber erst vom Fraktionsvorsitz und dann ganz aus dem Parlament zurück. Die Ära Gysi schien für die PDS gelaufen.
Dann kam unerwartet, im Juni 2001, die Abwahl des Berliner CDU-Oberbürgermeisters Eberhard Diepgen. In der Hauptstadt standen Neuwahlen an - Gysi ließ sich nach anfänglichem Zögern von der PDS zum Spitzenkandidaten küren. Der Politiker wurde Wirtschaftssenator und Stellvertreter von OB Klaus Wowereit in der ersten rot-roten Regierung in der Hauptstadt. Nach sechs Monaten trat Gysi aufgrund seiner Verwicklung in die "Bonusmeilen-Affäre" von seinem Amt zurück.
Zum vorgezogenen Bundestagswahlkampf 2005 meldete er sich als Spitzenkandidat der neuen Linkspartei zusammen mit Oskar Lafontaine wieder in die Politik zurück.
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