Das TV-Duell

- TV-Duell am 13. September
Es war das Medienereignis des diesjährigen Bundestagswahlkampfs. Zwei Wochen vor der Wahl trafen Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier am Sonntagabend im "Fernsehduell" zum ersten Mal in diesem Wahlkampf direkt aufeinander. Das von den Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL, SAT1 und Phoenix live übertragene Streitgespräch stieß allerdings auf weitaus geringeres Interesse der Fernsehzuschauer als das Duell vor vier Jahren. Nur 14,2 Millionen Zuschauer wollten den verbalen Schlagabtausch sehen. Das Duell zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel im Jahr 2005 konnte fast 21 Millionen vor die Bildschirme locken. Experten waren davon ausgegangen, dass das einzige Fernsehduell der beiden Kandidaten wegen der hohen Zahl der unentschlossenen Wähler eine wichtige Entscheidungshilfe werden könnte. Nach dem bisher eher unspektakulären Wahlkampf erhofften sich viele Zuschauer eine klare Positionierung der beiden Kandidaten.
Die Meinungen über die Auswirkung eines solchen TV-Duells auf die Wahlentscheidung gehen allerdings weit auseinander. Zum einen geben sich Parteien und Forscher überzeugt, dass sich zuschauende Wähler von einer solchen Debatte zwar beeinflussen lassen. Auf der anderen Seite werden die Berichterstattung über das Duell und die Durchschlagskraft der jeweiligen Interpretation für wichtiger angesehen als der Schlagabtausch selbst.
Eines hat das TV-Duell deutlich gemacht: Kanzlerin Merkel und Herausforderer Steinmeier kämpfen auf gleicher Augenhöhe. Steinmeier hatte insgesamt die Nase vorn, aber Merkel ist nicht die Verliererin des Abends. Ein gut aufgelegter Herausforderer traf auf eine selbstbewusste Kanzlerin: Beide lobten ausführlich die gemeinsame Arbeit und konnten ihre Unterschiede nur zeitweise deutlich machen. Merkel und Steinmeier blieben ihrem gemeinsamen Stil treu, sparten sich direkte Angriffe und argumentierten sachlich. Weswegen viele Beobachter den Begriff „Duell“ für diese Fernsehdiskussion als unpassend empfanden.
Nach Ansicht der Fernsehzuschauer ist Steinmeier am Sonntagabend als Sieger aus dem Streitgespräch hervorgegangen. Nach Blitzumfragen mehrerer Institute schnitt der SPD-Kandidat etwas besser ab, als die Kanzlerin. Vor der Sendung vermuteten viele die Kanzlerin vorne. Dennoch empfand die große Mehrheit der Zuschauer beide Kandidaten als gleich überzeugend.
Die vier Moderatoren schafften es nicht, die beiden Kontrahenten wirklich zu fordern. Pflichtgemäß wurden die bekannten Themen und vertrauten Thesen abgearbeitet, neue Erkenntnisse wurden dabei kaum zu Tage gefördert. Auch wenn man nichts Neues erfuhr, die Anhänger beider Parteien dürften sich von ihren Kandidaten gut repräsentiert gesehen haben.
Links:
- tagesschau: Das TV-Duell zwischen Merkel und Steinmeier
- Spiegel Online: Merkel und Steinmeier im TV-Duell
- FAZ.NET: Fernsehduell
- sueddeutsche.de: TV-Duell: Merkel vs. Steinmeier
- Zeit.de: TV Duell
Der TV-Dreikampf

- TV-Dreikampf der Opposition
Einen Tag nach dem TV-Duell der Kanzlerin und ihres Stellvertreters durften sich die Spitzenkandidaten der Oppositionsparteien im Fernsehen miteinander messen. Nach ihrer harschen Kritik am Kanzlerduell wollten Guido Westerwelle, Jürgen Trittin und Oskar Lafontaine zeigen, wie man sich richtig streitet.
Die Rahmenbedingungen des TV-Dreikampfs waren allerdings deutlich kleiner, so wurde er nur von der ARD übertragen, begann erst um 21 Uhr und dauerte auch nur 75 min. So sahen mit 4,20 Millionen Zuschauer deutlich weniger die Sendung, als das Kanzlerduell mit 14,2 Millionen. Doch diejenigen, die eingeschaltet hatte, bekamen ein lebhaftes Streitgespräch geboten, in dem die unterschiedlichen Positionen deutlich hervortraten. Dabei blieben die Kandidaten meist sachlich und argumentativ. Momente wilden Durcheinanderredens gab es kaum, dafür aber einige rhetorische Spitze gegen die politischen Kontrahenten und natürlich an der Regierung.
Vor allem bei Fragen zur Wirtschafts- und Steuerpolitik machten die drei Spitzenkandidaten ihre Unterschiede deutlich. Trittin und Lafontaine forderten einen höheren Spitzensteuersatz, damit die Besserverdienenden einen größeren Beitrag leisten. So soll der Staat einen größeren finanziellen Spielraum erhalten, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Westerwelle dagegen will verhindern, dass die "Leistungsträger" stärker belastet werden. Er bekräftigte den Plan der FDP Steuern zu senken. Sein Kredo war, dass der Mittelstand entlastet werden muss, damit neue Arbeitsplätze entstehen und so die Steuereinnahmen wieder steigen. Trittin warf Westerwelle vor, mit einer solchen Politik nur die reichere Hälfte der Gesellschaft zu entlasten. Er betonte stattdessen Geringverdiener entlasten zu wollen und zugleich eine Vermögensabgaben für Reiche einführen. Ähnliches schwebt auch Lafontaine vor, der sich nur selten deutlich von den Positionen Trittins abgrenzte. So waren sich Trittin und Lafontaine auch bei der Einführung eines Mindestlohns und der Begrenzung von Managergehältern einig, während Westerwelle beides ablehnte. Dafür herrschte bei der Ablehnung der Abwrackprämie Einigkeit zwischen Trittin und Westerwelle.
Alle drei Spitzenkandidaten kritisierten Maßnahmen der Bundesregierung, wie die Rente ab 67 und den Gesundheitsfonds. Beides wollen sie wieder abgeschaffen. Außerdem wollen alle drei ein höheres Schonvermögen für Arbeitslose erreichen.
Ähnlich wie beim Streitgespräch der Regierungsparteien dominierten auch dieses mal Wirtschaftsfragen. Themen wie Familie und Bildung wurden nur kurz angesprochen.
Am Schluss wurden die Machtoptionen der kleinen Parteien diskutiert. Dabei wurde deren Dilemma deutlich. Auf der einen Seite wollen sie die Große Koalition abschaffen, auf der anderen Seite begrenzten sie aber ihre eigenen Koalitionsalternativen auf ein Minimum. So schloss Westerwelle eine Ampelkoalition aus, Trittin eine Jamaika-Koalition und Lafontaine erklärte süffisant, dass keine der anderen Parteien mit der Linken koalieren wolle, er also in de Opposition bleiben werde. Dass durch ein solches Verhalten die Fortsetzung der großen Koalition befördert wird, hielt die Spitzenkandidaten nicht von ihren Aussagen ab.
Links:
- tagesschau.de: TV-Dreikampf der Oppositionsparteien
- Spiegel Online: Koalitionsspiele der Opposition
- FAZ.NET: Fernseh-Dreikampf
- sueddeutsche.de: Westerwelle, Trittin, Lafontaine
- Zeit.de: TV-Dreikampf der Opposition




