Das TV-Duell Merkel - Schulz

TV-Duell am 13. September 2013

Es war das Medienereignis des diesjährigen Bundestagswahlkampfes. Drei Wochen vor der Wahl trafen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Herausforderer Martin Schulz (SPD) am 3. September 2017 im "Fernsehduell" zum ersten Mal in diesem Wahlkampf direkt aufeinander.

Das von den Fernsehsendern ARD, ZDF, RTL, Sat1 und Phoenix live übertragene Streitgespräch stieß auf ein etwas geringeres Interesse der Fernsehzuschauer als das Duell vor vier Jahren. 16 Millionen Zuschauer (2013: 17,6 Millionen)  wollten den verbalen Schlagabtausch sehen. Experten waren davon ausgegangen, dass das einzige Fernsehduell der beiden Kandidaten wegen der hohen Zahl der unentschlossenen Wähler eine wichtige Entscheidungshilfe werden könnte. Nach dem bisher eher unspektakulären Wahlkampf erhofften sich auch viele Zuschauer eine klare Positionierung der beiden Kandidaten.

Die Meinungen über die Auswirkung eines solchen TV-Duells auf die Wahlentscheidung gehen allerdings weit auseinander. Zum einen geben sich Parteien und Forscher überzeugt, dass sich zuschauende Wähler von einer solchen Debatte zwar beeinflussen lassen. Auf der anderen Seite werden die Berichterstattung über das Duell und die Durchschlagskraft der jeweiligen Interpretation für wichtiger angesehen als der Schlagabtausch selbst.

Das TV-Duell: Merkel - Schulz | ZDF


YouTube Video, 1:36 Std. Das TV-Duell: Merkel - Schulz - komplette Sendung | ZDF 

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Eines hat das TV-Duell deutlich gemacht: Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz kämpfen auf gleicher Augenhöhe. Merkel hatte insgesamt die Nase leicht vorn, aber Schulz ist nicht der Verlierer des Abends. Ein gut aufgelegter Herausforderer traf auf eine selbstbewusste Kanzlerin: Beide konnten ihre Unterschiede zeitweise deutlich machen. Merkel und Schulz blieben ihrem Stil treu, sparten sich direkte Angriffe und argumentierten sachlich. Was an diesem Duell fehlte, war die große Konfrontation, das Benennen der Unterschiede zwischen Union und SPD, was nach vier Jahren Großer Koalition auch schwierig ist. Weswegen viele Beobachter den Begriff "Duell" für diese Fernsehdiskussion als unpassend empfanden. Themen des Abends waren Flüchtlinge und Integration, Islam, Außenpolitik und Soziale Gerechtigkeit, wichtige Themen wie Umwelt, Bildung und Digitalisierung fehlten. 

Nach Ansicht der Fernsehzuschauer ist Merkel am Sonntagabend knapp als Siegerin aus dem Streitgespräch hervorgegangen. Nach Blitzumfragen mehrerer Institute schnitt die Kanzlerin etwas besser ab als der Herausforderer. Vor der Sendung vermuteten viele den Herausforderer vorne. Dennoch empfand die große Mehrheit der Zuschauer beide Kandidaten als gleich überzeugend.

Die vier Moderatoren schafften es nicht, die beiden Kontrahenten wirklich zu fordern. Pflichtgemäß wurden die bekannten Themen und vertrauten Thesen abgearbeitet, neue Erkenntnisse wurden dabei kaum zu Tage gefördert, bis auf die Forderung von Schulz, die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, bislang keine SPD-Position. Auch wenn man wenig Neues erfuhr, die Anhänger beider Parteien dürften sich von ihren Kandidaten gut repräsentiert gesehen haben.

Das Duell dürfte dennoch zur öffentlichen Meinungsbildung beigetragen haben.


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Der TV-Dreikampf von Grünen, Linken und CSU

Am Tag nach dem TV-Duell zwischen Angela Merkel (CDU) und Martin Schulz (SPD) stellen sich die übrigen im Bundestag vertretenen Parteien dem Schlagabtausch: Alexander Dobrindt (CSU), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Dietmar Bartsch (Linke).

 

YouTube Video, 0:49 min. Das TV-Duell: Alexander Dobrindt (CSU), Katrin Göring-Eckardt (Grüne) und Dietmar Bartsch (Linke) - komplette Sendung | ZDF 

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Der TV-Fünfkampf von Linken, Grünen, CSU, FDP und AfD im ARD

Der "Fünfkampf nach dem TV-Duell" mit den Spitzenkandidaten der kleinen Parteien: Sahra Wagenknecht (Linke), Cem Özdemir (Grüne), Joachim Herrmann (CSU), Christian Lindner (FDP) und Alice Weidel (AfD).


YouTube Video, 1:16 Std. Der TV-Fünfkampf nach dem Duell 04.09.17, ARD (YouTube, FreakAKid) 

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